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Nachbarn und das halbe Dorf

In Uncategorized on 13. Dezember 2020 at 16:33

Folgendes Szenario: Swani muss noch die Biotonne voll machen und an die Straße stellen. Da ich keine Lust habe, das im Dunkeln zu tun, mache ich mich am Nachmittag auf, solange es noch hell ist.

Ich habe aber auch keine Lust, mich für die Biotonne umzuziehen, so gut kennen sie und ich uns, dass ich mich dafür nicht schick machen muss. Also bleibe ich in der Schlumihose / Jogginghose / Pyjamahose. Ich hab ein langärmeliges Shirt an und werf mir gegen die Kälte eine Strickweste über. Immerhin ist alles noch grade noch so in einer Farbskala – schwarze Weste, graues Shirt, rotkarierte Hose.

Ja, ich weiß, das klingt eher wie pommersches Flüchtlingskind im Krieg, meine Mutter hat mir aber neulich gesagt, die Hose sähe aus wie ein „schicker Hausanzug“. Ich bin nicht sicher, was schlimmer ist.

Also Haustürschlüssel geschnappt und raus zur Schubkarre. Dort lagert das, was bei der letzten Abfuhr nicht mehr in die Tonne passte und ganz fein zwei Wochen lang nass geregnet ist. Damit die Hose nicht nass wird unten, hab ich Pfiffikuss die Hosenbein in die dicken Socken gesteckt. Damit nun in die Stallstiefel und los. Ist ja um diese Zeit nix los, da sieht mich keiner.

Mist, wohin mit dem Schlüssel? Die Hose hat keine Taschen. Also halb in den Hosenbund gesteckt, wird schon halten.

Während ich den Kram aus der Schubkarre in die Tonne packe, bekleckere ich mich mit nasser Erde. Der Nachbar wünscht durch die im Winter nicht blickdichte Hecke einen schönen dritten Advent.

 Ich schiebe die volle Tonne Richtung Straße, auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig gehen Bekannte mit Hund spazieren und grüßen freundlich. Allerdings sehen alle drei, auch der Hund, aus als ob sie sich Sorgen um mich machen …

Während ich versuche, möglichst unauffällig zurück zur Haustür zu kommen, rutscht der Schlüssel. In die Hose. Die in die Socken gesteckt ist. In den Stallstiefeln.

Vor der Haustür meiner Mutter überlege ich kurz, zu klingeln, damit sie aufmacht. Ach was denke ich, nun ist ja das halbe Dorf schon durch.

Ich versuche mit dem Arm von oben in die Hose an den Schlüssel zu kommen, was mich fast vornüber aufs Gesicht stürzen lässt, dann versuche ich es durch die Socke, aber irgendwas klemmt.

Blick Richtung Straße, nix zu sehen, Hose runter, Schlüssel raus – „SCHÖNEN DRITTEN ADVENT, SWANTJE!“ – Hose hoch, Lächeln, Winken, „euch auch“ rufen und rein ins Haus.

Ich liebe das Landleben.

Ich werde alt …

In Alter, Uncategorized on 6. Dezember 2020 at 23:47

Neulich den Kindern ein Foto von meiner neuen Frisur geschickt. Dann war plötzlich meine Brille weg. Es passierte folgendes:

Sie kennen mich.

Ein Morgen mit Frau B. aus H.

In Uncategorized on 30. Oktober 2018 at 11:02

Zwischen 9 und 10 soll eine Lieferung auf Palette mit Hubwagen ankommen. Ich muss dem Fahrer sagen wohin damit.
8:15 Uhr, Swani sitzt bereit, kocht sich aber noch in Ruhe einen Kaffee.

9:15 Uhr, der Kaffee wirkt. Wer Swani kennt, weiß, dass sie sich weigert zum Klo zu gehen, da ja jeden Moment der Fahrer kommen kann.

9:25 Uhr, auf der Straße kommt ein LKW, Swani geht auf den Balkon, um zu gucken. Er ist es nicht.

9:26 Uhr, die Hunde sind mit auf den Balkon gegangen und denken sich, ach wenn wir schon mal aufgestanden sind … Swani erklärt „nein, wir warten auf den LKW, der kommt bestimmt gleich, dann könnt ihr mit raus.“

9:35 Uhr, die Blasen drücken. Swani vergewissert sich, dass der Fahrer ihre Handynummer hat, für alle Fälle.

9:45 Uhr, der Piratenhund beschließt nicht mehr zu warten, geht in den Flur und kratzt an der Tür. Damit die Tür nicht zu Schrott wird, geht Swani mit den Hunden in den Garten, Handy in der Hand.

9:47 Uhr, das Hundegepiescher animiert.

9:48 Uhr, Swani denkt sich „müsste ja mit dem Teufel zugehen …“ und rennt hoch aufs Klo. Hunde spielen im Garten.

9:50 Uhr, Swani, grade eben Po hoch vom Klo bekommt einen Anruf, Handy ist glücklicherweise mit im Bad. Omma2.0 ist völlig PANISCH am Apparat „Deine Lieferung ist da, du musst GANZ SCHNELL kommen!“

9:51 Uhr, Swani denkt, der LKW Fahrer will wieder abhauen und rennt mit fliegender Büx aus der Wohnung. Fahrer steht seelenruhig und wartet.

9:52 Uhr, Pflegedienst blockiert die Einfahrt.

9:54 Uhr, Pflegedienstauto wird zur Seite gefahren, LKW Fahrer lädt ab.

9:55 Uhr, Lieferung steht am vorgesehenen Platz.

9:56 Uhr, Swani geht zu ihrer Haustür. Zu. Schlüssel steckt von innen. Hunde spielen im Garten.

9:57 Uhr, kontemplative Stille.

10:00 Uhr, mit dem Reserveschlüssel geht das Schloss tatsächlich nicht auf, wenn der Schlüssel steckt.

10:01 Uhr, die Hunde wollen rein, der Piratenhund kratzt an der Tür.

10:03 Uhr, Nachbarn bilden Menschentrauben, um dem Schauspiel zuzusehen, Swani trägt eine vieeeeele Meter lange Leiter zum Balkon.

10:05 Uhr, die optimale Leiterposition wird bestimmt, nicht einfach, da das Balkongeländer marode ist und jederzeit in verschiedene Richtungen nachgeben kann.

10:07 Uhr, Swani denkt kurz an ihre Freunde bei der Feuerwehr …

10:08 Uhr, selbst ist die Frau. Der Pflegedienst verabschiedet sich „oh weia, was ist denn? Ach, Balkontür ist offen? Dann ist ja gut. Tschüß!“

10:09 Uhr, Swani versucht, die Leiter fest in den Boden zu rammen.

10:10 Uhr, Spiderman ist ein Witz gegen die Anmut, mit der die Leiter erklommen wird.

10:11 Uhr, das Unternehmen stockt, der dochnichtsospidermanmäßige Körper muss über die Brüstung. Ungeahnte Gottgläubigkeit setzt ein.

10:13 Uhr, der Piratenhund hat sich fast durch die Haustür gekratzt.

10:15 Uhr, die Schwerkraft siegt, Swani plumpst … auf den Balkon! Alles ist gut, die Balkontür ist offen, die Hunde können rein, der Schlüssel wird in die Hand genommen, die Leiter zurückgebracht.

10:20 Uhr, Was lernen wir daraus? Das Wetter wird gut heute, Swani war ganz oben auf der Leiter!