S

Muschi oder wie ich meinen Bruder kennen lernte

In Bruder on 25. Juni 2009 at 18:00

Nun sitz ich hier mit meiner „Hoch sollst Du leben“-Tasse Kaffee und denke an meinen Bruder. Muschi. Nicht der allernormalste Spitzname. schon gar nicht für einen Mann. Aber was soll man machen? Man steckt ja nicht drin.

Die meisten Menschen stellen fest, dass ihre Brüder plötzlich einfach da sind, oder schon immer da waren. Manchmal gestehen Eltern Brüder die irgendwo in der Weltgeschichte versteckt sind. Und manchmal findet man seinen Bruder einfach so. Er kommt in den Raum, macht nen doofen Spruch, man denkt was für ein Arsch.

So in unserem Fall. Er war 16 und ich 31 und über Liebe wußte…. ich verzettel mich. Er war 16 und sollte auf dem Hof mitarbeiten. Helfer. Scheißjob. Kann aber lustig werden, muss man aber was für tun. Er stellte fest, dass ein Kind einen Sattel verkehrt herum weg gehängt hatte und motzte rum, kaum dass er die Tenne betreten hatte.

Ich dachte nur, das ja kann ja heiter werden, den mach ich fertig, da schenkte er mir sein strahlendes Lächeln und sagte:

Du bist also S.? Ich bin Muschi, oder H. ganz wie Du willst. Meine Eltern haben mich immer Muschi genannt und du willst das bestimmt auch.

Damit hatte er mich fast. Ich wurde von meiner Mutter nämlich mit dem selben Spitznamen gequält, mein Vater sagte statt dessen Bratkartöffelchen, viel besser!

S.: Hallo H., wir müssen noch einen Moment warten, bis die Chefin Zeit für uns hat, erzähl doch mal n Witz.

H.: Witz weiß ich keinen, aber ich kann dir die Geschichte von meinem Fahrrad erzählen. Das war so, mein Bruder bekam ein super Fahrrad geschenkt und wir fuhren zusammen los. Ich auf meinem kleinen blauen Klappfahrrad. Du weißt, diese Dinger mit Schraube in der Mitte. Nun, diese Schraube war bei mir locker, was zur Folge hatte, dass mein Fahrrad plötzlich aufklappte und fähig war in zwei verschiedene Richtungen zu fahren! Ich natürlich hinterher, also teilweise. So lange es ging fuhr mein Oberkörper links herum und mein Po geradeaus. Ging aber nicht lange gut. Von der Bremsung habe ich diese tolle Narbe hier, guck mal!

Ich lachte mich krumm, begutachtete seine Narbe, schloss ihn in mein Herz und bildete sofort eine Fraktion mit ihm gegen die Chefin, die grade erschien und meinte: Ihr habt euch also schon kennen gelernt, gut, gut, aber nun mal wieder ernsthaft, ja?

Wir haben wochenlang jeden Ernst vermieden (davon mehr in den nächsten Artikeln), festgestellt, dass wir an zwei aufeinander folgenden Tagen Geburtstag haben und noch viel mehr Gemeinsamkeiten, und bis zum heutigen Tag brauchen wir höchstens eine Minute, um miteinander in schallendes Gelächter auszubrechen und damit allen anderen den Nerv zu rauben.

Wahlbruder eben.



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