Ja, juhu, es ist wieder so weit! Ich mache wieder Yoga.
Jeden Donnerstag Abend lege ich mich also wieder auf meine Decke, zusammen mit einigen anderen Menschen und genieße die Kraft und Entspannung, die mir Kundalini Yoga geben. Oh, Moment, hier entsteht ein falscher Eindruck: die anderen Menschen haben eigene Decken und liegen dort!
Manche andere Menschen haben sogar eigene Yoga Matten und eigene Yoga Höckerchen. Was es alles gibt! Ich habe immerhin meine Decke, die natürlich vorher grundlegend eingehaart wurde von Kalle und hoffe, dass keine Allergiker im Raum sind. Ausserdem habe ich meine eigene Wasserflasche. Und los…
Ich werde ganz herzlich begrüßt und wieder aufgenommen in die Runde und dabei werden mir alle vorgestellt. Schau an, wer liegt da drüben in der Ecke rum? Mein Autoverkäufer! Boah…schlechte Aura, aber ich bin mir sicher, eines Abends werde ich mit meinem Auto liegen bleiben und ER muss sich dann direkt kümmern und schämen. Yogagerechtigkeit!
Wir erden uns mit den Füßen und öffnen unser Kronenchakra zum Himmel (was es nicht alles gibt!), ich werde aufgefordert auf die Zehenspitzen zu gehen und die Arme im 60° Winkel zum Himmel, mit den Handflächen nach oben, mich auf einen Punkt zu fixieren und zu genießen!
„Spürt ihr die Kraft, die aus der Erde durch eure Füße in euch fließt?“
Ich spüre Kraft. Kräftige Krämpfe in den Zehen und ein kräftiges Kichern im Bauch.
„Wenn ihr wollt, könnt ihr die Übung jederzeit auflösen. Ich zeige euch gleich wie das geht…“
Ich stehe, die Zehen verzweifelt in die Decke krallend, die Arme erhoben, lächelnd da und denke:
„TU ES! JETZT.“
Alle anderen stehen leichtfüßig wie die Störche im Salat, wenn auch auf zwei Beinen und genießen. Dann endlich, die Auflösung und schwupp, beuge ich mich entspannt dem Boden zu. Sowieso mehr mein Ding. Andere Menschen stehen noch rum – auf Zehenspitzen – Unglaublich!
Wir dürfen die Übung im eigenen Tempo machen und ich kann offensichtlich eher öfter als länger. Auch wieder eine wichtige Erkenntnis für mein Leben.
Die allerwichtigste Erkenntnis des vergangenen Donnerstagabends war aber folgende: Ich werde alt.
Bisher (also vor 1 1/2 Jahren) war es so, dass ich die Karten, die wir manchmal am Ende der Stunde nehmen durften, um unsere Antworten und Inspiration zu finden, dass ich also diese Karte nahm, las und wieder weg legte. Diesmal war es so: Ich nehme mir eine Karten und warte dass das Licht hell genug gemacht wird um zu lesen. Das Licht geht an und ich lese: Nichts. ich kann nichts erkennen, denn der Text ist so fies klein geschrieben, dass ich nichts lesen kann! Skandal! Wer hat die Karten geändert? Das kann ja wohl nicht angehen…
Alle anderen lesen (ohne Brille) und lächeln wissend und weise und sehen so verdammt geläutert aus, dass ich kurz überlege auch so zu tun und dann die Karte wieder weg zu legen. Denk ich mir halt was aus. Aber nein, natürlich krame ich einfach nach meiner Brille und lese: Zuversicht.
Na dann kann ja nur alles gut werden! In diesem Sinne …